Die Handtasche - Weitwurf-, Nahkampf- und Ersatzfitnessgerät

August 11, 2014

Wir sind Weltmeister. Österreich. Im Handtaschen-Weitwurf. Immerhin. Indes ich die Freudenbotschaft über die Medien vernahm, gewann mein Spross die steirische Wichtelmeisterschaft im Gummistiefel-Weitwurf. Ich denke unser Volk sollte mehr Sachen werfen, als Fußbällen hinterherrennen. Aber müssen es wirklich Handtaschen sein? Bei der dritten offiziellen WM reichten 92,81 Meter für den österreichischen Sieg im Mannschaftsbewerb. Die vier erfolgreichen Wettkämpfer wurden mit dem "Goldenen Täschchen" ausgezeichnet, wobei unbekannt ist, um welche Designertaschen es sich gehandelt hat. Der Weltrekord im Einzel-Weitwurf liegt bei 30,95 Meter. Die Handtaschen sind mit Sand gefüllt. Frauen schleudern Ein-Kilo-Accessoires, Männer das doppelte Gewicht. Was für eine schockierende Vorstellung. Das haben Gucci, Dolce und Louis nicht verdient.

 

Verwundert hat mich besonders, dass Frauen an der kuriosen, recht jungen Disziplin teilnehmen. Welche Frau wirft schon Handtaschen von sich? Männer hingegen hassen Handtaschen. Dazu zähle ich auch meinen Spross, der bei jedem Handtaschengeschäft in Panik verfällt und auf höchste Alarmbereitschaftsstufe schaltet. Diese Phobie könnte  möglicherweise an einem traumatischen Erlebnis im römischen Mandarina Duck Shop liegen. Ich wollte eigentlich nur eine kleine, alltagstaugliche Umhängetasche. Nach zehn Minuten stand ich behängt mit drei Taschen vor dem Spiegel – angeblich unansprechbar und mit irrem Blick – und nahm schließlich alle. Seitdem zerrt mein Kleiner mich unerbittlich weiter, sobald in einer Auslage eine Handtasche zu sehen ist, mit den Worten: ‚Ganz ruhig, immer schön weitergehen, alles ist gut, gleich sind wir aus der Gefahrenzone‘.

 

Einige Handtaschenbewerbe habe ich schon gewonnen: Etwa den Titel der schönsten Handtasche des Abends. Neidlos verliehen von der Chefin der Eden Bar für meine im Ausverkauf ergatterte kuschelweiche Dolce & Gabbana Bag. Außerdem bin ich die amtierende und unangefochtene Weltmeisterin im Handtaschen-Schwergewicht. Vollgefüllt mit zumindest einem Laptop, ein bis zwei  iPads, Handy, diversen Schlüsselbünden, Geldtasche, Brillenetuis, Bürste, Haarband, Pflaster, Zuckerln, Wasserflasche, Notfallschokolade, Zigaretten, Feuerzeugen, Schminktäschchen, Lippenstiften, verbrauchten Boardingpässen, immer bereitem Reisepass samt gängigen Fremdwährungen und zumeist unbezahlten Rechnungen dienen die Multifunktionsbehältnisse durchaus als Hantel und mobiles Fitnessgerät. Meine Louis Vuitton ist ein Überlebenskit im Großstadtdschungel und gleichzeitig ein waffenscheinpflichtiges Selbstverteidigungsinstrument. Herrlich ist, dass ich meinen Autoschlüssel nicht mehr suchen muss, seitdem mein Auto sich alleine schon durch dessen Anwesenheit in meiner Handtasche öffnen lässt. Ich habe zugegeben viele Handtaschen, jedoch immer nur eine in Verwendung, da das Umräumen des Inhalts eine halbe Ewigkeit dauert und zuweilen Dinge zu Tage fördert, von denen man lieber nichts wissen möchte. Unter gar keinen Umständen würde ich meine Handtasche von mir werfen – schon gar nicht weit!

 

Übrigens gibt es eine interessante Handtaschenstatistik: 76 Tage ihres Lebens verbringen Frauen damit, in ihrer Handtasche herumzukramen, besitzen davon im Schnitt 20, die im Normalbetrieb 3 – 5 Kilo schwer sind und etwa 35 verschiedene Dinge beherbergen. Ich halte das für maßlos untertrieben.

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