Dark Side of the Moon

January 1, 2015

„Wenn Du Deinen Astralarsch nicht in Lichtgeschwindigkeit an meine Schulter beamst, schiebe ich Dir eine Trägerrakete in Deinen Allerwertesten und Du kannst Dir ‚The Dark Side of the Moon‘ live anschauen!“, bellt R. wenige Sekunden vor dem Jahreswechsel in ihr iPhone. Der Mann vom anderen Stern lungert seit Tagen zu Hause herum und kann sich zu absolut nichts aufraffen. „Das Weichei fühlt sich nicht gut“, ist R. am äußersten Rand der Erträglichkeit angelangt, „das ständige Herumgeheule und Mitleidsgeheische halte ich nicht mehr aus“. Zugegebenermaßen sind wir weiblichen Geschöpfe manchmal wirklich schwer zu entschlüsseln. Wir wollen verständnisvolle, offene Männer, die zu ihren Gefühlen stehen und merken in dem ganzen Seelenöffnungs- und Umerziehungsprozess gar nicht, dass wir am Ende einen Jammerlappen unser Eigen nennen. Einen Heulhansi wollen wir dann auch wieder nicht.

 

Mit diesem Exempel bestätigt R. zu meinem Entsetzen die These, dass Frauen nicht wissen, was sie wollen. Ist der Kerl erst mal in Weichspüler ertränkt, soll er doch wieder seine anfängliche Machonummer abziehen. Der Geläuterte hat das aber wohlweislich verlernt, also geht die Geschichte von vorne los. Die unzufriedene Frau sucht sich ein neues Machoexemplar von der Stange, dringt wie ein Drillbohrer in sein Innerstes vor, bis er ihre beste Freundin ist, um dann zu erkennen, dass sie so eine schon hat und es im Mädelsuniversum eigentlich chilliger ist, sich über Gefühlsengpässe bei einem kräftigen Barolo an einem Hauch von zartem Nougat auszutauschen. Frauenversteher sind nun mal nur Frauen und Männer dürfen es gerne bleiben lassen.

 

„Der A. kann mich mal, ich brauche endlich wieder einen richtigen Kerl“, seufzt R. Ich kann ihr nur beipflichten. Her mit den Männern, die noch Männerrunden pflegen, die sich am Wochenende mit den Kumpels in selbstgezimmerten Seifenkisten den Hals brechen und danach bis zum  Morgengrauen ein exzessives Saufgelage veranstalten. Die unrasierten und  nicht ständig nach Davidoff Cool Water duftenden  Fetzenjeansträger, die dem Nebenbuhler ohne lange Vorreden die Keule überziehen und ihrem Weib Schutz in der hart erkämpften Höhle bieten.. „Sprich Klartext und sag ihm, es ist Dir nach mehr neolithischen Schmutz in Eurer Beziehung. Ohne kampfpsychologisches Beziehungspalaver. Und lass Dich nicht mit einem emotionalen Mistkübel für seine Befindlichkeiten verwechseln“, rate ich R. ohne große Hoffnung. „Ich stell mal ein Bittgesuch an die Allmächtige, sie soll doch die Männer im Kraut der Urwüchsigkeit lassen und die Testosteronlatte im Bausystem des Universums höher legen“, überlegt R., „sonst kriegen die neuen Männer demnächst noch die Kinder und wir haben uns selbst wegrationalisiert“.

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