Paaradox

December 8, 2017

Heute kann ich nicht lange schreiben. Ich muss jetzt gleich los. Zu einem Kabarettabend mit Gabi Kuhn und Michael Hufnagel. Das ist wichtig. Ich versuche dort nämlich zu erfahren, wie es kommt, dass man es langfristig in einer Beziehung aushält. In einer Beziehung mit mir vor allem.

 

Manchmal wundere ich mich, wie man mich aushalten kann. Manchmal halte ich mich selbst nicht aus. Ich selbst halte mich für ziemlich normal und unkompliziert. Doch wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, muss ich mir eingestehen, dass ich ein wenig verrückt und manchmal schwierig sein kann. Nun gut, sagen wir nicht schwierig, beschönigen wir den Zustand und nennen es unberechenbar. Oder noch besser geheimnisvoll. Manche sagen vielleicht seltsam dazu.  

Das fängt bei der Arbeit an, wobei ich maßlos bin. Eine E-Mail zu schreiben reicht meiner geistigen Auslastungslust nicht. Daneben muss ich etwas Googlen, schnell mal ein paar Überweisungen machen, telefonieren, eine Zigarette rauchen und über Weihnachtsgeschenke und Marketingkonzepte nachdenken, während ich die Frage einer Kollegin beantworte, vielleicht noch ein WhatsApp des Liebsten. Gleichzeitig. Und es hört beim Autofahren auf. Selten habe ich es sehr eilig, aber ich hasse es, lange irgendwo hin zu brauchen, also will ich den Weg schnellstmöglich hinter mich bringen. Gestern, im Vorfeiertagsstauwahnsinn vom 4. in den 19. Bezirk: 27 Minuten, fünf rote Ampeln, drei mittelschwere Verkehrsvergehen und unzählige Lichthupenattacken auf die Vordermänner, nicht zu reden von Flüchen und wüsten Beschimpfungen anderer Verkehrsflüssigkeitsverhinderer. Ich meine, das ist doch verständlich, oder? Wer steht schon gerne 50 Minuten legal im Stau, wenn sich das beschleunigen lässt?

 

Ich bin es gewohnt alles im Eiltempo zu machen und mir selbst stets drei Schritte voraus. Dabei kann es schon einmal passieren, dass ich gegen eine Tür Kante laufe, oder gleich gegen eine Wand. Meine Mitbewohner kennen das schon. Mittlerweile ignorieren sie meine Schmerzensschreie aus verschiedenen Teilen der Wohnung, denken sich, ah, Lili ist wieder mal irgendwo dagegen geknallt. Alles gut, sie hat einen harten Schädel, die Wand wird es schon überlebt haben. Eine kleine Verletzung durch ein Messer oder einen Spieß und ein wenig Blut erschreckt niemanden, der mich kennt, und im Lorenz Böhler war ich schon lange nicht mehr. Dorthin verbrachte man mich schon mit Blutvergiftungen nach dem Wohnungsputz und Knochenabsplitterungen nach dem Versuch ein Geschäft durch die Türe zu betreten. Wäre das Lorenz Böhler in der Nähe gewesen, als ich mir den Daumen prellte beim Versuch, dem Spross und seinen Rennclubfreunden beim Schispringen über eine unerwartet hohe Schanze zu folgen, hätte sie mich auch eingeliefert, nur damit ich nicht mehr heule, aber so dachten alle: Was die Alte nicht umbringt, macht sie härter.

 

Ich schreibe auch im Eiltempo, wie jetzt eben. Es ist gar nicht einfach in einer knappen Viertelstunde diese Zeilen zu tippen, während man duscht, sich die Müdigkeit aus dem Gesicht schminkt, weil man schon wieder erst nach Mitternacht im Bett war, Agent Provocateur und Strapse unter das kleine Schwarze anlegt und die Katzen füttert.

 

Manchmal frage ich mich, wie man jemanden wie mich mögen kann. Wie kann man eine Irre, die im Auto zu einem proletarischen Alien mutiert, gegen den jeder Bierkutscher eine Auszeichnung von Herrn Schäfer-Elmayer bekommen würde, die so tollpatschig ist, dass sie sich permanent selbst beschädigt, die sich beruflich an Abgründen entlanghantelt, und über all das noch in der Öffentlichkeit schreibt, wie kann man so eine Person lieben? Was passiert, wenn Mann feststellt, dass er sich auf Sodom und Gomorra eingelassen hat? Schöner Mist! Dann ist guter Rat teuer und den hole ich mir jetzt. Von den Beziehungsprofis, die aus Szenen einer Ehe plaudern. Paaradox, ich komme, im Eiltempo, die Vorstellung beginnt in… OMG! Fünf Minuten!

 

 

Jetzt klickt doch mal!! Das ist nicht bloß ein Bild ;-) 

 

 

 

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