Nur fliegen ist schöner!

June 19, 2014

Ein Flug ist nicht immer aufregend.  Vor allem wenn man bereits hunderte davon hinter sich hat. Da ist sogar schon so ein richtiger Gewittersturm bei der Landung eine willkommener Nervenkitzel. Wirklich frustrierend sind zumeist die unfreiwillig zugeteilten Sitznachbarn. Ist man in Plauderlaune, bekommt man in der Regel eine Schnarchnase und will man einfach nur lesen oder schlafen, hockt einem unter Garantie bei jedem Ruckeln ein Flugangstkranker auf dem Schoss und redet sich stoßgebetartig sein vermaledeites Leben von der Seele. Auf Geschäftsreisen habe ich mir angewöhnt nach Möglichkeit einen Sitz ohne Sitznachbar zu verlangen. Manchmal kommt es auch anders. Auf dem Flug von Ko Phangan nach Bangkok konnte ich es mir nicht aussuchen, die Kiste war voll und ich quetschte mich auf meinen Sitz in der letzten Reihe. Neben mir nahm ein Bild von einem Mann Platz. Natürliche Bräune, großgewachsen, athletisch, schwarzes Haar, eine Mischung zwischen Hugh Jackman und Olivier Martinez. Ich atmete tief durch und es entwickelte sich die übliche Über-den-Wolken-Kommunikation. Woher kommen Sie, wohin gehen Sie und der ganze seichte Small Talk. Der Gott kam aus Israel, hatte Freunde auf der privaten Insel besucht und war auf dem Weg nach Neuseeland, um dort ein Geschäft zu eröffnen. Wie ein Geschäftsmann sah er eigentlich nicht aus. Er hatte mehr etwas von einem Filmstar, Geheimagenten oder Vollzeitlover. Wir waren von der Erörterung der politischen Weltlage im Allgemeinen und der Situation Israels im Speziellen zum Austausch von prickelnden Jugenderinnerungen übergegangen und Hugh Oliver begehrte zu wissen, wie lange ich in Bangkok zu bleiben gedenke. „Mein Anschlussflug geht in drei Stunden“, musste ich mitteilen. „Ich fliege morgen Mittag“, war er sehr bestimmt, „wollen Sie nicht den Flug verpassen und die Nacht in Bangkok verbringen?“ Oh mein Gott, ja, ich will, dachte ich und hasste meine Mutter für den nimm keine Schokolade von Fremden Drill, den Pfarrer für das Gelübde der ewigen Treue und mich für die verpasste Gelegenheit die gesamten zehn Stunden von Bangkok bis nach Wien. Der Adonis half mir nach dem Aussteigen noch mit meinem Gepäck und verabschiedete mich fachmännisch mit einem Kuss, „Schade meine Schöne, ich bin sicher, wir sehen uns ein zweites Mal in diesem Leben“. Seitdem finde ich Fliegen wieder aufregend. Wer weiß, wann das Schicksal uns wieder nebeneinander setzt.

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