1+1=3

September 9, 2017

Mit Zahlen zu jonglieren, war noch nie meine Stärke. Der Jet Lag macht die Mathematik drei Tage vor Vollmond nicht einfacher, wenn das Hirn den Flug verpasst hat und sich auf einem anderen Kontinent im Tiefschlaf in den Bettlaken wälzt.

 

Weil es so lustig ist, kapert der Spross im Urlaub mein iPhone und ändert den Code.  Ich tue vergeblich so als ob mich das überhaupt nicht tangiert und er genießt das Ratespiel. Als wir nach dem langen Rückflug wieder zu Hause sind, erbarmt er sich und sagt kurz vor dem Einschlafen gelangweilt: Zero… Ich verstehe Bahnhof, bis mir dämmert, dass der Code viermal die Null ist. Auf diese Variante wären schon dümmere Dumpfbacken als ich versuchsweise verfallen. Am nächsten Morgen läutet mein Handy und weigert sich gleichzeitig meinen Fingerabdruck zu erkennen. „Jetzt gib mir sofort den Code“, blaffe ich den Spross genervt und übermüdet an. „Ich fasse es nicht“, lacht er sich krumm, „wie einfach muss ein Code sein, damit du ihn dir merken kannst?“ Die vier Nullen schleichen auf O-Beinen in meine Erinnerung zurück und ich piepse kleinlaut: „Genau.“ Der Spross schüttelt den Kopf und fragt mit besorgter Stimme: „Wann genau hat sich eigentlich dein Hirn verflüssigt?“

 

Am Samstag und Sonntag warte ich im Café Wortner, während der Spross bei B weilt, und erzähle ihm nachher, ich wäre dort nun bereits zweimal am selben Tisch gesessen. Einmal als ich ihn vor ein paar Monaten von der Schule abholte und nun wieder. „Das ist doch nichts Besonderes“, ist er unbeeindruckt, „Wie oft sind wir in Robert`s Beisl schon am Fische-Tische gesessen? Hundert Mal? So what?“ „Aber ich war vorher noch nie in dem Café, alle anderen Tische waren besetzt, also ist das schon was Besonderes“, erkläre ich. „Wie oft warst du jetzt dort?“, will er wissen. „Na zweimal“, sage ich, „damals, gestern und heute.“ Der Spross sieht mich schräg an. „Also dreimal? Du bist so ein Misset!“ Der Versuch meiner Erklärung geht in unserem hysterischen Gelächter unter.

 

Als am Montag die Schule wieder beginnt, ich den Krawattenknoten astrein geknüpft habe, lamentiert der Spross während der Fahrt: „Ich hasse erste Schultage.“ Blitzschnell überschlage ich während einem wilden Spurwechsel die ersten Schultage seines Lebens und erwidere gute Laune verbreitend: „Das ist jetzt schon dein elfter erster Schultag!“ Wieder trifft mich ein vielsagender Blick von der Seite. „Wie kommst du auf elf?“, fragt er verdattert. „Na ich habe 4 Jahre Volksschule und 4 Jahre Gymnasium und heute zusammengerechnet“, bin ich beeindruckt vom Klang der Worte "elfter erster" und der genialen Fernrechenleistung meines in den Zeitzonen zwischen Hawaii und Kalifornien pendelnden Gehirns. „Du Opfer“, sagt der Spross resignierend, „Frage an Radio Blond: Kann man sich an einem Krampf anstecken?“ „Nein“, sage ich, nach kurzem Nachdenken, überzeugt. „Da hast du einen Schreikrampf!“, brüllt mich der Spross auf Motörhead Lautstärke an. Während ich an einem Lachkrampf laborierend weiterfahre, denke ich ernstlich darüber nach, die nächste Blondierungssession auszulassen und auf die dunkle Seite zu wechseln, damit wenigstens meine Haare dem Spross einen intelligenten Eindruck vermitteln.

 

 

 

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